Taksim, die Istiklâl Caddesi im Ausweichmanöver bergab, rempelst du jemanden an, ist dein Spiel vorbei – „Game Over“. Es ist abends, nach Sonnenuntergang. Der Ort brodelt, ist durchtränkt mit ausgehhungrigen Istanbulern und Touristen. Ausscheren in eine Seitenstraße bringt etwas Ruhe, würde man denken. Doch auch hier erwartet dich ein Slalomlauf durch die Gassen, vorbei an endlosen Tischreihen angefüllt mit Menschen. Vor uns taucht das „Hotel Ufuk“ auf. Der Titel entspricht unserem Stil. Drei Männer stehen beschäftigt im Hoteleingang herum. Einer zeigt uns das Zimmer. Es ist muffig, hat eine Dusche, ein Telefon, keinen Fernseher, jedoch das Kabel und die Halterung dafür. Ein Plakat von den Cosmo Girls an der Wand und eine wankende Feuertreppe vor dem Fenster – ein Balkonersatz. Das Hotel Ufuk hat auch schon einmal bessere Zeiten erlebt. Wir nehmen es.
Der Preis wird ausgehandelt und unsere Daten fein säuberlich in den Computer eingegeben. Nur leider gibt es keine adäquate Abkürzung für Deutschland. Komisch – aus der ganzen Welt kommen Leute ins Hotel Ufuk, nur aus Deutschland wird keiner erwartet. Nach längerem Suchen wird ein Herr Berger im Archiv gefunden und wir bekommen jetzt dieselbe Abkürzung: DEU. Fertig.
Auf der Treppe rennt uns eine beinahe barbusige Frau entgegen. Oh la la, wer ist das denn? Wir denken darüber erstmal nicht weiter nach. Der Drang nach einem kühlen Efes ist stark. Im Getümmel finden wir einen der ruhigeren Orte und bestellen bei einer tätowierten Kellnerin zwei kleine Bier für große Preise. Umgekehrt wäre uns natürlich lieber. Egal. Zeit die Stadt etwas zu verdauen.
Der Rückweg zum Hotel Ufuk scheint nicht derselbe zu sein. Die Straße hat sich in ein musikalisches Feuerwerk verwandelt. Hätte man acht Ohren, gäbe es eventuell eine Chance, die unterschiedlichen Quellen auszumachen. So verschwimmt die Musik jedoch zu einem einzigen Gewirr. Am stärksten behauptet sich der Club Torres unserem Hotel direkt gegenüber gelegen, wo die Technobeats von der Dachterrasse wummern. Wir machen es uns auf der Feuerleiter bequem. An schlafen ist hier nicht zu denken. Bereits nach fünf Minuten wird uns von der Straße aus, von verschiedenen Seiten her zu gewunken. Lauter Männer, die sich wundern, was wir machen. Bald darauf stellen wir auch fest, dass unser Telefon funktioniert. Wir ignorieren den Versuch unseres Hotelbesitzers, uns in der Nacht zu erreichen. Nach dem zweiten Telefonklingeln wird der Hörer einfach daneben gelegt. Wage Vermutungen über eine mögliche andere Nutzung des Hotel Ufuks, der Bass aus dem Club Torres und die Hitze halten uns noch für einige Zeit wach. Letztendlich erleben wir jedoch nicht mehr den Schluss der Party gegenüber.
Saturday, August 18, 2007
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