Wednesday, August 22, 2007

Einwohnerbefragung in Sulukule

Ein Café in Sulukule. Es gibt einen überdachten Vorbau mit ein paar Tischen. An ihnen sitzen Backgammon spielende Männer. Und wie überall in Istanbul sind auch hier Katzen Teil des Szenarios. Wir trinken Chai zusammen mit Aylin Akdeniz (Accessible Life Association) und Zinnure (Studentin an der Yildiz Technical University). Der Aschenbecher an unserem Tisch füllt sich in Windeseile während wir auf Tolga Islam warten. Er ist Assistent am Institut für Stadt und Regionalplanung der Yildiz Technical University. Gemeinsam mit der Human Settlement Association und der Sulukule Romani Culture and Solidarity Association wurde ein Fragebogen für Sulukule entwickelt. Das Resultat soll einer Expertenkommission vorgelegt werden. Diese entscheidet im Zuge der Planung zur Stadterneuerung über die weiteren Entwicklungen des Viertels Fatih und somit auch über den Abriss von Sulukule.
Schließlich nährt sich Tolga Islam mit hektischen Schritten, seine Energie ist mitreißend. Er holte den Fragebogen aus der Tasche und beginnt eine lebhafte Diskussion. Es ist ein mutiges Unterfangen, was sie vorhaben, über 100 Fragen sollen die Bewohner beantworten. Man kann die Schwierigkeiten bei der Auswertung erahnen. Doch die Motivation der drei ist unglaublich. Heiß wird darüber diskutiert, wie die Erhebung erfolgen soll. Das Problem ist, und hier stößt man an die Grenzen wissenschaftlicher Kategorien, dass oft mehrere Familien in äußerst beengten Verhältnissen in einem Haus zusammen wohnen. Sollte man sie als einen Haushalt auffassen oder doch lieber getrennt betrachten? Und wenn die Entscheidung zu Gunsten nur eines Fragebogens pro Haus fällt, wer ist dann der Vorstand des Haushalts? Ebenso kann kein genauer repräsentativer Stichprobenumfang festgelegt werden, da die Einwohnerzahl Sulukules nicht einmal annähernd bekannt ist. Es sollen nun knapp 500 Haushalte befragt werden.

Die Diskussion ist festgefahren und da man keine Einigung erzielen kann, erheben sich alle, um kurz entschlossen den ersten Durchlauf zu starten und das Gespräch mit den ersten Erfahrungen später fortzusetzen.

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