Bereits im fernen Berlin erreichen verschiedenste Nachrichten über Istanbul den neugierigen und Stadt interessierten Leser. Das Romaviertel Sulukule im Stadtteil Fatih soll zu Gunsten einer touristischen Spielwiese mit osmanischen Holzhäusern vergangener Zeiten abgerissen werden. Die dahinter stehende Idee ist, mit einer vibrierenden Altstadt den Anschluss an europäische Metropolen wie Prag oder Paris zu schaffen. Die Stadt hofft, so mehr Touristen anzulocken.
Als ambitionierte Stadtflaneure lassen uns solche Nachrichten natürlich aufhorchen. Die Idee eine Jahrhunderte alte Siedlung abzureißen, um sie in einer vermeintlich authentische osmanischen Bauweise zu errichten, erscheint uns äußerst absurd. Ebenso die Idee eine historische Altstadt mit entsprechenden Flair (siehe Paris bzw. Prag Vergleich) innerhalb weniger Jahre „zu schaffen“.
Die osmanischen Bauten sind bei dem Schriftsteller Orhan Pamuk beliebter Gegenstand seiner Erzählungen im Buch „Istanbul“. Besonders bedauert er den Umgang mit diesen Häusern während seiner Jugend in den 1950er Jahren: aus Holz gebaut, alt, marode, harrte man ihrem Verfall oder ließ ein Zündholz walten. Nun sollen die osmanischen Bauten neu entstehen. An einem Ort, an dem sie nie standen; den sie nie geprägt haben – in Sulukule.
In den nächsten Tagen werden wir uns mit Bewohnern und Aktivisten treffen und Sulukule erkunden. Neuigkeiten findet ihr wie immer auf unserem blog.
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